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Emotionale, aber dennoch faire Diskussion: Die öffentliche Sondersitzung des Bauausschusses der Stadt Kiel in einem Fernsehbericht.

Aktualisierte Fassung vom 18.12.2015

Dr. Mathias Werner: Aussteigen aus dem Projekt ist noch möglich

Kiel - Die Turnhalle der Johanna-Mestorf-Schule war am Dienstag, 16.12.2015 bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Bauausschuss der Stadt Kiel tagte im Rahmen einer Sondersitzung bewusst in jenem Stadtteil, der von dem geplanten Windkraftpark mit fünf 200-Meter-Anlagen mit am stärksten betroffen wäre. Ziel: Den Ausschuss und die Bürger über den aktuellen Planungsstand zu informieren. Außerdem referierten ein Vertreter des Betreibers der FM Wind GmbH, der Vorsitzende des Bundesverbands Windernergie SH, ein Vertreter der Umweltschutzverbände BUND und Nabu sowie der Vorsitzende der Bürgerinitiative Windvernunft Kiel, Dr. Mathias Werner, in Form von fünfminütigen Impulsvorträgen über ihre Pro- und Contra-Argumente. Anschließend kamen die Bürger mit Meinungen, Statements, Appellen sowie Fragen zu Wort. Vorherrschender Eindruck: Die Bürger machten ihrem Unmut über die absurden Argumente der Befürworter und des Betreibers Luft.

Dr. Mathias Werner hatte in seinem Vortrag deutlich herausgestellt, dass nach Sichtung der Akten nur die Interpretation möglich sei, dass bei der Anmeldung des Gebiets beim Land als Windkrafteignungsfläche Bedenken und sogar rechtliche Einwände der Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung ignoriert wurden. Diese Fakten sind das Ergebnis des intensiven Aktenstudiums, das die Bürgerinitiative sich erkämpft hatte. Dementsprechend groß war die Empörung der Zuschauer und das Unverständnis darüber, wie dieses Verfahren am offensichtlichen Bürgerwillen vorbei durchgezogen werden soll. In zahlreichen Wortbeitragen machten Meimersdorferinnen und Meimersdorfer, aber auch zahlreiche Bürger aus den Nachbargemeinden Molfsee, Schulensee, Flintbek, Moorsee oder Boksee deutlich, dass sie weder verstehen, warum Kiel 2008 zunächst das Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen hat, um es nur ein Jahr später für einen industriellen Windpark mit nie dagewesen Ausmaßen zu opfern. "Schildbürgerstreich", "Das ist absurd", "Unverantwortlich", "maßlos überzogen" waren nur einige der Kommentare. Auch die Befürworter meldeten sich, um zu bekunden, dass von Verschandelung der Landschaft keine Rede sein könne, ebenso müsste niemand einen Werteverlust seiner Immobilie befürchten. Auch die gesundheitlichen Aspekte durch Infraschall oder das Thema Lärmbelästigung wurde von diesen Vertretern negiert. Auf mehrfache Nachfrage aus dem Publikum widerlegte Dr. Mathias Werner die unsinngen Argumente der Befürworter hinsichtlich des Nutzens des Windparkstroms für Kiels Bürger. Zum einen komme er gar nicht in Kiel an, sondern gehtein das norddeutsche Stromnetz, zum anderen entspräche der Gegenwert des gesamten gelieferten Stroms bestenfalls 0,8 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Kiel bzw. macht pro Einwohner Kiels gerade mal 6,81 Euro im Jahr aus.

Dr. Mathias Werner plädiert an den Bauausschuss, die Entscheidung sorgfältig und verantwortungsvoll in Abwägung des geringen Nutzens für Kiel und seine Bürger im Vergleich zu den Schäden durch den Windpark für den Kieler Süden und seine Bevölkerung zu treffen. "Noch ist ein Aussteigen aus dem Projekt gesichtswahrend und ohne finanzielle Schäden für die Stadt möglich. Die Klimaschutzziele waren ja sehr ambitioniert und sind in Zeiten formuliert worden, als die Rahmenbedinungen für ein neues Kraftwerk der Stadtwerke noch nicht günstig waren. Mit der Entscheidung für das neue Gaskraftwerk könnten diese Ziele nach Äußerungen von Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer allein durch das neue Kraftwerk erzielt werden. Die Stadtwerke Kiel sprechen sogar von "Übererfüllung". Die Bürgerinitiative Windvernunft Kiel hat die Akteneinsicht in einem ausführlichen Bericht dokumentiert, der hier heruntergeladen werden kann. Außerdem gibt es hier ein PDF mit weiteren Argumenten zum Unsinn der Energiewende, die bei der Windkraft nicht zu Ende gedacht ist sowie Berechnungsbeispiele zum Kieler Projekt.