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Kosten-Nutzen-Analyse

2.5.  Kosten-Nutzen-Analyse

 

In der ganzheitlichen Betrachtung des Projektes fehlt bisher eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse aus Sicht der Stadt Kiel und seiner Einwohner. Welchem Schaden bzw. welchen Kosten der Errichtung steht welcher Nutzen gegenüber?

 Auf der öffentlichen Veranstaltung am 24.4. in Meimersdorf war eine erstaunlich hohe Anzahl nicht unmittelbar betroffener Bürger aus anderen Kieler Stadtteilen anwesend, z.T. Mitglieder der Grünen, SPD oder auch der Piraten. Diese haben in zahlreichen Wortbeiträgen pro Windkraft in Kiel argumentiert, hierbei insbesondere den übergeordneten Nutzen für Kiel herausgestellt und von den im Süden Kiels betroffenen Bürgern Solidarität für ganz Kiel eingefordert.

 Nimmt man diese Gedankengänge konkret auf und lässt schwierig zu greifende weiche Faktoren in der Betrachtung außen vor, so muss sich eine entsprechende Analyse auf den ökonomischen Nutzen für Kiel und seine Einwohner fokussieren.

Auf der Kostenseite steht dabei ganz zentral der wirtschaftliche Schaden für die betroffenen Einwohner/Immobilienbesitzer in Meimersdorf und der angrenzenden Ortsteile/Gemeinden wie Kleinflintbek, Molfsee, Schulensee, Kronsburg, Schlüsbek, Moorsee, Boksee und ggfs. sogar darüber hinaus, wenn die weiter u.g. Gesundheitsschädigungen der Bevölkerung nachweislich zum Tragen kommen sollten. Immobilienwirtschaftliche Auswirkungen sind unvermeidbar, dem auch vom Bürgermeister in mehreren Stellungnahmen nicht widersprochen wurde. Diesen Schaden schätzen wir auf Basis von Expertenmeinungen auf eine Summe, die bis in den hohen zweistelligen Millionenbereich hinaufreichen könnte. Berücksichtigt wurden hierbei praktische Erfahrungswerte aus annähernd vergleichbaren Immobilienmarktsituationen, unter besonderer Berücksichtigung eines zukünftig abebbenden Immobilienbooms, der im historischen Vergleich deutlich stärkeren optischen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch die außergewöhnliche Höhe der WKAs und der medial starken Verbreitung des Infraschallthemas. Eine abnehmende finanzielle Belastung mit wachsender Entfernung zum WKP wurde unterstellt.

 Völlig unberücksichtigt in den Planungen erscheint u.E. aber auch die oben bereits angesprochene simple Frage, wie negativ sich die Errichtung des geplanten WKP auf den Grundstücksverkauf in den vier geplanten Neubaugebieten in Neumeimersdorf auswirken wird. Allein das finanzielle Risiko für Käufer wie zwischengeschaltete Investoren aus dem Immobilienbereich dürfte erheblich sein.

Zu berücksichtigen sind auch die schon entstandenen und vor allem weiteren zukünftigen Kosten der Stadt und des Landes im Rahmen des laufenden Verfahrens. Aus ökonomischer Sicht wäre ein Verweis auf die bereits entstandenen Kosten als Begründung für die Fortführung des Verfahrens allerdings unsinnig. Anders herum sollte unnötiger weiterer Aufwand (und finanzielle Risiken) für die Stadt vermieden werden, was wirtschaftlich gesehen das entscheidendere Argument bildet.

Unklar ist zuletzt die Bezifferung von Eventualkosten, die sich aus zukünftigen Risiken für die Stadt ergeben. Gibt es z.B. Rücklagen für die Stilllegung und den Rückbau der Anlagen, wenn der Betreiber angesichts einer Vielzahl möglicher Risikofaktoren in die Insolvenz geht? Das ausgewiesene haftende Eigenkapital der Betreibergesellschaft beträgt nur gut 0,1% des geplanten Investitionsvolumens von mindestens 30 Mio. EUR. Wer bleibt im Ernstfall auf den Kosten sitzen? Der Steuerzahler, die Verpächter?

Demgegenüber steht auf der anderen Seite ein Nutzen in Form der geplanten Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Kiel sowie der Wertschöpfung aus der Versorgung von geplanten 15.000 Haushalten mit Strom aus „stadteigener“ Produktion. Unter Verwendung der öffentlich zugänglichen Informationen zu beiden Nutzenaspekten kann ermittelt werden, dass sich der Nutzen für die Stadt Kiel (über 20 Jahre Laufzeit des WKP) mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag grob beziffern lässt. Die Gewerbesteuereinnahmen werden, wenn sie überhaupt fließen, dabei nur einen minimalen Bruchteil des verursachten Schadens betragen. Der Großteil der Wertschöpfung sowie Gewinne aus dem Projekt wird nicht in Kiel anfallen.

Fazit: Die ökonomische Bilanz für die Stadt Kiel und seine Einwohner fällt in Summe spürbar negativ aus. Das Projekt hat den Charakter eines gesamtwirtschaftlichen Verlustobjektes. Geplante Grundstücksverkäufe in den ausgewiesenen Neubaugebieten sind erheblich gefährdet.

Fortsetzung: Wirtschaftlichkeit und Gewerbesteuereinnahmen