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Kommentar KN-Artikel

Kommentar zum Artikel in den Kieler Nachrichten vom 6.7.2015

Augenwischerei an allen Fronten

Es ist schon erstaunlich mit welcher Dreistigkeit das hiesige Windkraftprojekt seitens der Betreiber und der Stadt beworben und vorangetrieben wird. Wie kann man den Bau einer Windindustrieanlage mit fünf fernsehturmhohen Megaturbinen in einem Landschaftsschutzgebiet, das eigentlich Windkraftausschlussgebiet ist, durchziehen?  Mit massiver Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und definitiver Gesundheitsgefährdung für Mensch und Tier im weiteren Umkreis?

In einer Mischung aus Desinformation, Falschaussagen, gezielter Manipulation und vorgeblichem Lokalkolorit werden uns Bürgern die Fakten so präsentiert, dass man den Eindruck eines notwendigen, sinnvollen und konfliktfreien Projektes gewinnen kann, an dem man sich auch noch mit Freude beteiligen kann. Dabei wimmeln schon die Planungsunterlagen von Ungereimtheiten und Widersprüchen. Unser Bürgermeister ruft Parteifreunde rechtswidrig zur Beeinflussung einer Öffentlichkeitsveranstaltung auf. Und jetzt werben die Betreiber mit „imposanter“ Energieerzeugung aus „konfliktfreien“ und „besonders leisen“ Anlagen mit „Lärmprognosen weit unter den Grenzwerten“. Die uneigennützige Vision einer „sauberen Meimersdorfer Selbstversorgung“ mit regenerativem Strom „in guter Nachbarschaft“ wird entworfen.  Unerwünschte Nebeneffekte wie Gesundheitsgefahren durch Infraschall oder auch Immobilienpreisverfall werden hingegen abgestritten. Ein kurzer Faktencheck:

Von Konfliktfreiheit und guter Nachbarschaft zu sprechen, wenn die unmittelbar betroffene Bevölkerung (auch schon 2012) sich so eindeutig gegen das Windkraftprojekt ausspricht und  4 Jahre lang ohne Berücksichtigung der Betroffenen ergebnisvorgegeben geplant wird, ist schon interessant. Auch die vielen Verstöße gegen Vorschriften und Grenzwerte im Normalbetrieb (Auflagen erforderlich!) zeugen nicht gerade von Konfliktfreiheit. Wenn Lärm „weit unter" den Grenzwerten bedeutet, dass man nachts den Betrieb drosseln muss, weil sonst  gesetzlich vorgeschriebene Toleranzschwellen überschritten werden, dann spricht allein dies schon Bände. Fragen Sie mal Betroffene aus Holtsee, was diese zum Thema Lärm, Infraschall und Immobilienwertverluste zu berichten haben.  Da stößt man auf drastische Aussagen. Auch die Meimersdorfer Selbstversorgung ist eine dankbare Illusion, da der produzierte Strom schlicht ins öffentliche Netz eingespeist wird, um irgendwo (z.B. auch im Export nach Bayern) verbraucht zu werden oder in ineffizienter Speicherung zu versickern. Denn Schleswig-Holstein kann sich schon heute zu 100% mit  erneuerbarem Strom aus Windkraft etc. selbst versorgen.

Dr. Mathias Werner, Vorsitzender BI Windvernunft Kiel