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Bürgerinitiative WindVernunft Kiel e.V.

 WARUM KEINE WINDKRAFT IM KIELER SÜDEN?

Es ist eine schöne Idee: Unbegrenzter Strom zum Nulltarif, einfach aus der Luft gegriffen. Ohne Abgase aus Kohlekraftwerken, ohne  Atomkraftanlagen vor der Haustür und dazu noch klimaschonend. Man kann sich dieser bestechenden Logik kaum entziehen. Doch die Realität in der Nutzung von Windkraft ist längst eine andere. Viele Widersprüche und Ungereimtheiten tauchen auf. Von einer "grünen" Umweltpolitik kann längst keine Rede mehr sein. Berechtigte Ängste um die Gesundheitsgefahren der Windkraft machen sich breit. Auch hier bei uns in Meimersdorf und Kleinflintbek, wo ein Windkraft"park" mit unbedingtem Durchsetzungswillen von Politik und Profiteuren gegen jede Vernunft in ein Landschaftsschutzgebiet und engen Besiedlungsraum reingezwängt werden soll.  Warum der ganze Kieler Süden betroffen ist und wir das geplante Vorhaben ablehnen.

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200 Meter hoch: So ähnlich dürfte der Anblick aus ca. 1,3 km Entfernung auf drei der fünf geplanten Windräder in Richtung Meimersdorf aussehen,  wenn die Stadt Kiel vor den Toren Kiels einen Windpark errichtet. Illustration mit Windrädern des Bautyps aus Holtsee.

Was ist an diesem geplanten Windkraftpark eigentlich so schlimm, dass sich hier in Meimersdorf die ca. 801. Bürgerinitiative zu diesem Thema in Deutschland gegründet hat? Die meisten unserer Mitglieder nutzen aus Überzeugung Solar- und Photovoltaikanlagen, Regenwassertanks oder Erdwärme. Energiesparen und der Bezug von Ökostrom sind weit verbreitet. Die Klimaschutzziele der Stadt teilen wir. Was ist hier also los? Geht es nur um einen diffusen Unmut über die „Verspargelung“ unserer Landschaft, das St. Floriansprinzip („Windkraft ja, aber nicht vor unserer Haustür“) oder doch nur um örtliche Neiddebatten rund um die Gewinne aus der Nutzung von Windkraft?

Hier zwischen Kiel-Meimersdorf und Kleinflintbek, eng begrenzt durch städtische Wohnbesiedlungen, inmitten eines Landschaftsschutzgebietes mit hohem Erholungswert für tausende von Bürgern, soll eine Windkraftindustrieanlage aufgestellt werden, die in seinen Dimensionen so gewaltig ist, dass man sie selbst nach intensivster Beschäftigung mit der Materie nicht wirklich begreifen kann. Fünf Riesenanlagen mit 200 Metern Höhe - in der Größenordnung des Kieler Fernsehturms - sollen hier in nur wenigen hundert Metern Entfernung zum Meimersdorfer Ortsrand aufgestellt werden. Aus dem Molfseer Eidertal herauf oder von hoher See aus ragen die Windkraftanlagen sogar um bis zu 250 Meter Höhe auf. Ein späteres "Repowering", d.h. Aufstocken der Anlagen von 200 auf jetzt schon machbare 300 Meter Höhe ist zu befürchten. Können Sie sich das wirklich vorstellen? Die dramatische Veränderung des Landschaftsbildes ist mit Fotos und Illustrationen kaum einzufangen. Allen Betroffenen wie Interessierten empfehlen wir nachhaltig den Besuch eines Wind“parks“ wie in Holtsee vor den Toren Eckernfördes, oder zwischen Leck und Husum an der Nordseeküste.

Von den Planern des Projektes wird dieses Vorhaben in einer Aneinanderreihung von Widersprüchen, Ungereimtheiten, Ungenauigkeiten und ungeklärten Punkten geplant und umgesetzt (siehe unseren Einspruch im noch laufenden Planungsverfahren). Im Kern zieht man sich auf gesetzliche Vorschriften zurück, die anerkanntermaßen auf völlig veralteten Normen beruhen. So stammen wichtige Vorschriften wie z.B. zur Lärmbelastung der Bevölkerung aus den 70er und 90er Jahren, als die durchschnittliche Windkraftanlage noch um die 40 Meter hoch war. Die potenzielle Gesundheitsgefahr aus dem Infraschall der Anlagen (siehe auch Bericht der Kieler Nachrichten vom 4.5.2015) wird mit sehr schwachen, aber populistischen Argumenten kleingeredet. Doch diese Gefahren darf man nicht unterschätzen! Wir erleben hier - wie damals bei der Atomkraft oder der schleichenden Asbestgefahr - eine Neuauflage des Bemühens der Politik und weniger Profiteure, diese nicht wahrnehmbaren Gefahren zu verneinen und zu verharmlosen. Andere Länder haben aus der Fürsorgepflicht gegenüber ihren Bürgern längst reagiert und den gesetzlichen Mindestabstand zu solchen Anlagen auf 2-4 km und mehr festgelegt. Noch in über 10 km Entfernung ist Infraschall messbar. Mit einem mittleren Radius von nur 3 km um die geplanten Anlagen ist das Problem nicht nur auf Meimersdorf, Kleinflintbek,  Molfsee und Rammsee beschränkt, sondern umfasst weite Teile des Kieler Südens und anrainender Gemeinden mit zehntausenden von Mitbürgern. Der gesamte Kieler Süden kann de facto als Testgelände mit tausenden menschlicher Versuchskaninchen verstanden werden. Hier wird aus unserer Sicht sehenden Auges die Gesundheit (und Altersvorsorge) der betroffenen Bürger gefährdet. Das darf nicht toleriert werden. Gesundheit ist nicht verhandelbar! Bürgermeister und Stadträte stehen hier in der Haftung.

Demgegenüber steht ein mehr als zweifelhafter Nutzen für Kiel in energiepolitischer, ökonomischer und auch ökologischer Hinsicht. Städtebaulich führt das Vorhaben der Stadtverwaltung in eine unverständliche Sackgasse. Kiel will wachsen und muss wachsen. Wichtigster Schwerpunkt bildet unser Kieler Süden. Die Errichtung des Windparks alleine kostet zusammen mit der gesetzlichen Schutzzone um die Anlagen mehr als 3 Quadratkilometer Fläche - soviel wie ein kompletter Kieler Stadtteil. Wir begrüßen jeden neuen Mitbürger, der seine Heimat hier bei uns im schönen grünen Süden findet, auch in den geplanten Neubaugebieten. Doch wenn man seitens der Stadt die Wohnbesiedlung ernst nimmt, stellt sich eine Frage: Wie kann die Stadt annehmen, dass die Errichtung der geplanten Windkraftindustrieanlage irgendeinen Grundstückskäufer in die geplanten Neubaugebiete lockt? Das Gegenteil wird der Fall sein. Im Übrigen muss doch auch die Sicherheit der Investoren und späteren Käufer der Immobilien berücksichtigt werden.

Das verstehen wir alles nicht.

In Summe aller Faktoren und Interessen muss man bei ganzheitlicher Bewertung des Vorhabens zu dem Schluss kommen, dass dieses Projekt in Meimersdorf/Klein Flintbek zum Scheitern verurteilt ist! Zukünftige rechtliche und Haftungsrisiken für die Stadt und Betreiber noch nicht einmal einbezogen. Die einfache Botschaft lautet: Hier passt keine Windkraftindustrieanlage rein! Es ist schlicht zu eng. Kiel braucht diesen Windpark nicht. Es gibt für unsere Stadt bessere Alternativen, ihre klima- und energiepolitischen Ziele zu erreichen. Man muss sie nur wollen.

Werden Sie Mitglied in unserer Bürgerinitiative und unterstützen Sie uns bitte mit Ihrer Stimme und gerne einer Spende in unserem Bestreben, Vernunft in diese Debatte einziehen zu lassen! Ein Landschaftsschutzgebiet zu zerstören und die Gesundheit von uns und unseren Kindern aufs Spiel zu setzen um einen fragwürdigen Nutzen zu generieren, geht nicht zusammen. Was wir hier verlieren, werden wir erst merken, wenn es weg ist.

Vorstand der Bürgerinitiative WindVernunft Kiel e.V.

Kiel, 8.Mai 2015